Die letzten Tage

Wann ist das denn passiert? Während manchmal in China die Zeit fast gar nicht mehr vergangen ist, fliegt sie jetzt dahin. Manchmal schaue ich auf den Kalender und bin total irritiert das der rote Punkt im Juni ist, und ich nicht mehr scrollen muss um meine Reise zu planen. Aber wir kennen ja auch alle die Relativitätstheorie.
Ich will nicht gehen. Kurz gesagt, verbindet das alle meine Gefühle. Ich liebe China, ich liebe Zhengzhou, und ich will mein Leben hier nicht verlassen. Manchmal habe ich das Gefühl, ein Jahr ist nicht ausreichend, viel zu lange habe ich damit verschwendet alles zu lernen bevor ich es endlich genießen konnte. Und natürlich lerne ich immer noch jeden Tag.
Ich weiß jedenfalls, dass ich in der Zukunft irgendwann wieder für einen längeren Zeitraum in China leben werde.
Was passierte nach Peking also, in den letzten zwei einhalb Wochen so ganz ohne Schule? Ich hab mich zum ersten Mal in China richtig entspannen können, und mein Leben genossen. Im Nachhinein hat die Schule meine China-Erfahrung wirklich beeinträchtigt und es war sehr gut das ich jetzt auch mal komplett den Dingen widmen konnte die ich als wichtig erachtete: Meine Freunde, Essen, Tee und Kalligrafie.
In der Erinnerung verschwimmt alles. Ich war wohl bei Xinkes Geburtstag, im Katzencafe, im Kino, im Teehaus. Ich hab Geld verdient und war etliche Male auf dem Nachtmarkt und hab Kleider gekauft. Ich bin noch ein letztes Mal weggefahren, nach Xinyang was auch in Henan liegt. War aber leider nicht so besonders, wir saßen nur ewig auf dem Nachtmarkt und aßen Flusskrebse und Fisch Hotpot. Und ich bekam meinen zweiten chinesischen Heiratsantrag der sogar noch lustiger war als der erste, denn diesmal wurden Pläne geschmiedet, einen Roadtrip von China bis nach Deutschland zu machen.
Letzten Samstag war ich mit Tracy, Cathy und Fiona dann im Freizeitpark was eine absolut witzige Erfahrung war. Zwischen erschreckend glaubwürdiger Virtual Reality, lustigen englischen Übersetzungen und Achterbahnen mit etlichen Loopings machten wir bei 36 Grad Fotos.
Einmal war ich nach der Teezeremonie bei den Teeleuten zu Hause zum veganen Abendessen und ich musste fast weinen als ich sah wie unbekümmert sie alle herumsprangen und quatschten.
Die letzten Tage musste ich mich dann von mehr und mehr Menschen verabschieden. Einige kann ich aber nicht mehr sehen, meine Klassenkameraden sind jetzt auch alle schon weg. Ich habe ein Abschiedsbuch angefangen. Manchmal kann ich es akzeptieren, realisieren. Manchmal jedoch laufe ich selbstverständlich in den Straßen, stolpere über den Gedanken daran, dann bleibe ich stehen und muss meinen Atem fassen. Es scheint zu groß um es zu fassen, eine schwarze Wolke so intensiv dass man sie spürt auch wenn sie sich hinter einer Ecke verbirgt.
Einmal war ich bei einer Frau vom Tee in Ihrem Kalligrafie Studio und habe zum ersten Mal richtig Chinesische Kalligrafie gelernt. Dann saß ich an dem riesigen Holztisch und diskutierte mit zwei alten Männern über die Vorzüge von Shou Pu’er Tee, Geschichte und Politik. Ja, so was kann ich jetzt besprechen. Und Teesorten kenne ich auch, erzählt mir nichts von Schwarz und Grün hier!
Und jetzt? Ich möchte nicht zurück, aber ich muss, ich freue mich aber auf meine reisen und manchmal, ganz selten, irgendwie auch auf Deutschland.
Die nächsten Tage wird viel zu tun sein und es wird einfach sein, mich selbst davon abzulenken. Ich freue mich so sehr meine Mutter zu sehen, aber ich fürchte mich vor der letzten Teezeremonie. Letztendlich ist es aber auch in Ordnung, denn ich weiß das ich wiederkommen werde und China immer ein Teil von mir sein wird.
In den letzten Tagen habe ich immer dieses Lied gehört, es passt irgendwie hier rein:
Cause we’ve been driving so long

I can’t remember how we got here

Or how we survived so long

I’m tryna run from our pride

Till you set fire to my atmosphere

And I remember how I spent the 23rd

Feeling six feet under

When I’m 30,000 feet in the air

Chasing that sundown

So far east I’m westbound

Feeling like the edge of this world is near
But you’ll feel better when you wake up

Swear to god I’ll make up

Everything and more when I get back someday

This is more than just a phase, love

Shooting stars all break up

And even though it seems like half the world away
Maybe I could fly you out this place someday

Chasing dreams like I’m on Novocain

Screaming through your airways

Looking back I almost thought I heard you say
Stay, you’re not gonna leave me

This place is right where you need to be

And why your words gotta mean so much to them

And they mean nothing to me

So stay, you’re not what you’re hearing

Cause I’ve been watching you changing

And who said you’re one in a million

Anyway?
Cause you see only what you want to

Your tunnel vision haunts you

And you can’t see what’s wrong

When you keep sleeping through the PM

Eyes wide open when you’re dreaming

You’re sleepwalking, just keep talking

And maybe you can talk your way out of this deep end

No b plan in your system

Just tell me what you’re thinking

I’m scared that you might fall
But you’re not
And you’ll feel better when you wake up

Taking off your makeup

Sun always seems to wash our fears away

And it’s always shining somewhere

I just gotta get there

And even though it seems like half the world away
Maybe I could fly you out this place someday

Chasing dreams like I’m on Novocain

Screaming through your airways

Looking back I almost thought I heard you say
Stay, you’re not gonna leave me

This place is right where you need to be
Stay, you’re not what you’re hearing

Cause I’ve been watching you changing

And who said you’re one in a million anyway?
And you’ll feel better when you wake up

Swear to god I’ll make up

Everything or more when I get back someday

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